Bilder kann man abhängen, Kirchenfenster bleiben. Das reizt den Maler und Bildhauer Markus Lüpertz ganz besonders. Als gläubiger Katholik hat er sich schon des Öfteren in kirchlichen Räumen betätigt. Ob für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte oder die Kölner Dominikanerkirche St. Andreas, ob in Landsberg-Gütz, Lippstadt oder Bamberg – „das Malen mit Licht“ (Lüpertz) fasziniert ihn.. 

Barocke Perlen fädelt Markus Lüpertz zwischen die klobigen Glieder der Ketten aus Eisen, die man an diesem Ort für Schiffe und Kräne schmiedete. Wie wilde Blumen sprießen Köpfe, Büsten und Körper auf Säulenstengeln zwischen den tonnenschweren Handwerksmaschinen hervor und überwuchern die Werkstatt in fremder Pracht und Üppigkeit. Zeitlos barock präsentieren sich die Skulpturen von Markus Lüpertz – frech, regelwidrig, aufbrausend wuchtig, zuweilen sanft, sacht und filigran.

Insgesamt 13 Gipse werden in der Ausstellung zu sehen sein. 

Es sind insgesamt 5 Fenster, die Lüpertz an der Westfassade gestalten wird: die große Fensterrose sowie vier Lanzettfenster. Die Entwürfe werden im Maßstab 1:1 auf großen Kartons im Kirchenraum ausgestellt.  

Kirchenfenster für St. Ulrich

Die Ulrichskirche, erbaut von 1225 bis in 1240er Jahre, gehört zu den ältesten Bauwerken der Gotik in Deutschland. Unter anderem zeigt die prächtige Fensterrose in der Westwand die Qualität der Durchführung. „Markus Lüpertz schafft moderne Fensterbilder im Geist der Gotik, seine Entwürfe werden als Bleiglasfenster in jahrhundertealter Handwerkskunst umgesetzt. Nun gibt es die Chance, die bisher schlichten Klarglasscheiben von St. Ulrich an der Westfassade durch zeitgenössische Fenster mit einer expressiven Bildsprache eines der berühmtesten Künstler zu gestalten“, erklärt Dr. Maria Baumann, Kuratorin der Kunstsammlungen im Bistum Regensburg. Es sind insgesamt 5 Fenster, die Lüpertz an der Westfassade gestalten wird: die große Fensterrose sowie vier Lanzettfenster. In einem Pressegespräch stellte Baumann zusammen mit dem Künstler, Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und Regierungspräsident Axel Bartelt das einzigartige Projekt vor

MARKUS LÜPERTZ

Markus Lüpertz wurde 1941 im böhmischen Liberec geboren, 1948 flüchtete die Familie nach Rheydt im Rheinland. Zwischen 1956 und 1961 studierte Markus Lüpertz an der Werkkunstschule Krefeld sowie an der Düsseldorfer Kunstakademie. Seit 1961 arbeitet er als freischaffender Künstler. 1973 präsentierte die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden eine erste Werkübersicht des Künstlers. 1982 nahm Markus Lüpertz an der documenta 7 in Kassel teil. Für den Eingangsbereich des Bundeskanzleramts Berlin gestaltete Markus Lüpertz das Wandbild »Die sechs Tugenden« sowie die Bronzeskulptur »Die Philosophin«. 2010/11 präsentierte das Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg über 100 Arbeiten unter dem Titel »Mythos und Metamorphose«.

Im profanierten Kirchenraum von St. Ulrich in Regensburg zeigt Markus Lüpertz vom 10. September bis 31. Oktober 2021 seine monumentalen Ganzfiguren aus Gips, die bis zu dreieinhalb Meter messen. Im Erdgeschoss, Köpfe sowie kleinere statuettenartige Werke im Obergeschoss. Zweiter Schwerpunkt der Ausstellung mit dem Titel „Der göttliche Funke II“ sind die Glasarbeiten des international renommierten Künstlers. Die Ausstellung soll Initiativimpuls für ein dauerhaft in St. Ulrich als Museum des Bistums Regensburg bleibendes Kunstwerk von Markus Lüpertz sein.

In der Ausstellung kombiniert der Künstler seine Gipse mit Entwürfen für Glasfenster, die er u. a. für die französische Kathedrale Saint-Cyr-et-Sainte-Julitte in Nevers und für den Marienchor der romanischen Dominikanerkirche St. Andreas in Köln gefertigt hat. „Es entsteht eine ganz andere Atmosphäre. Man malt mit dem Licht der Glasfenster die weißen Skulpturen an. Es ist ein Experiment“, betont Markus Lüpertz. In St. Ulrich habe er einen Raum gefunden, in dem er die Idee sehr gut umsetzen könne. Ob ein Resultat dem Betrachter gefalle oder nicht, so Lüpertz, sei nicht wichtig. Wichtig ist es, dass es die Menschen begeistert. Und: „Sie müssen es glauben. In der Kunst ist der Glaube etwas sehr Wichtiges. Kunst kann nicht beurteilt werden. Man muss sie glauben. Man muss dem Künstler glauben. Wenn man glaubt, kann man auch eine Qualität feststellen. Wie wichtig Religion ist, kann man nur daran messen, dass sie die Menschen zwingt zu glauben. Verlieren wir den Glauben, dann können wir auch unserem Nächsten nicht mehr glauben. Verliert man den Glauben, endet man in einer Art Zynismus“, so der Künstler. Kunst dürfe auch nicht zur Unterhaltung degradiert werden, fordert Markus Lüpertz. Dient sie nur der Unterhaltung, dem Spaß und ist gefällig, so erfülle sie nicht mehr das, was eigentlich in den Köpfen der Betrachter passieren müsse. Dies sei aber ein aktuelles Phänomen unserer Zeit und könne daran liegen, dass die Menschen den Künstlern nicht mehr glauben, so wie sie dem Pfarrer nicht mehr glauben. „Eine glaubenslose Welt ist kulturell nicht tragbar. Kunst braucht Emphase, Hingabe, Bestätigung im Publikum. Das ist das Wichtigste für den Künstler, damit er nicht in einem zynischen, leeren Raum steht“, so Lüpertz.

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